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Halmaheras Gunung Ibu – Eruptionsspektakel im 30 min-Takt

Irgendwann wurde mir klar, dass mein Bild über Ost-Indonesien eine große Lücke aufweisen würde, wenn ich einen wesentlichen Aspekt im lokalen Naturgeschehen unbeachtet lasse. Der indonesische Archipel ist Teil des zirkumpazifischen Feuergürtels, dem so-genannten ‚Ring of Fire‘ und das Gebiet mit den weltweit meisten aktiven Vulkanen. Knapp 130 Vulkane sind in Indonesien derzeit aktiv, woran die Region East of Wallace einen beachtlichen Anteil trägt. Allein auf Sulawesi und den Nord-Molukken trifft man bereits auf mehr als 10 davon. Gunung Ibu habe ich mir in der Zwischenzeit bereits angeschaut.

Der Weg zum Gunung Ibu – ein kleines Abenteuer für sich

Nach einer frühen Ankunft auf Ternates Sultan Babullah Flughafen ging es mit meinem Tour Guide gleich weiter zum Hafen und von dort aus per Fähre rüber zur großen Nachbarinsel Halmahera. Die etwa 2-stündige Überfahrt ist kurzweilig. Auf der maritimen Route sind es nicht nur die unterschiedlichsten Boote, die den Blick immer wieder auf sich ziehen, es ist insbesondere die abwechslungsreiche bergige Insellandschaft, welche die von der langen Anreise etwas müden Augen wachhält.

Am Zielhafen angekommen ist die Anreise jedoch noch immer nicht zu Ende. Per Auto geht es entlang der Westküste Halmaheras in Richtung Ibu weiter, auf einer Strecke, die schnelles Fahren nicht durchgängig möglich macht. In wechselnder Abfolge lässt man unzählige Palmenhaine und adrette Dörfer hinter sich, bis das Basislager, ein kleiner Bungalow inmitten eines Palmenhaines, am Nachmittag erreicht ist. Ein Bad im Fluss, ein einfaches Abendessen, noch etwas plaudern und eine schlichte Matratze als Schlafplatz für die Nacht. Damit geht der Tag zu Ende. Aus Europa kommend ist es in der Tat eine lange Reise. Aber ‚am Ende der Welt‘ ruft das Abenteuer!  

Dschungel Trekking von seiner besten Seite

Das Trekking begann am nächsten Morgen. Eine kurze Anfahrt, dann ein gemächlicher Anstieg – zunächst. Alsbald wichen die Palmenhaine dem Dschungel und die Vegetation wurde dichter. Der Weg verlor sich scheinbar im Dickicht und musste mit Machete immer wieder zum Vorschein gebracht werden. Der Anstieg wurde steiler und zunehmend unebener. Es ging längst nicht allein über Stock und Stein. Hier mal ein gefallener Baum, der den Weg versperrte. Dort die gefallenen und halb vergorenen Früchte eines Baumes, die ein Stück des Weges zu einer sonderbaren Rutschpartie werden ließen. Dann ein kurzer, aber extra steiler Hang, der den Gebrauch von Händen und Füßen erforderlich machte. Und da noch eine kleine überwucherte Klippe, die nur der Tour Guide wahrnahm, weil er weiß, dass sie dort ist, und die man -je nach Schrittlänge- übersteigt oder wie ich überspringt.

Bekanntschaft mit Wallace’s Giant Bee

Zwischendrin gab es immer mal wieder eine Pause. Zugegeben: ohne geht es nicht. Das grüne Dickicht lässt dem Auge nicht viel Stimulation, dem Ohr jedoch schon. Und es war in der Tat ein Vergleichsweise lautes Summen, das meine Augen auf Wanderschaft ziehen ließ. Etwas Großes, Schwarzes hatte sich von einem Baum gelöst und surrte in meine Richtung. Ich hatte noch nie eine so große Biene gesehen. Wie mir mein Tour Guide erklärte, war ich auf Wallace’s Giant Bee getroffen. Eine Begegnung, von der es leider kein Foto gibt.

Die ultimative Dschungel Camp-Erfahrung, nicht nur für Einsteiger

Am Nachmittag war der Rastplatz für die Nacht erreicht. Eine Übernachtung direkt am Kraterrand war zu dieser Zeit leider weniger ratsam, da der Gunung Ibu erhöhte vulkanische Aktivität zeigte. Auf diese Weise kam ich jedoch zu meiner ersten Dschungel Camp-Erfahrung. Eine überschaubare freie Fläche mitten im dichten Grün wurde als Lagerplatz auserkoren und los ging’s auch schon mit dem Zeltaufbau. Bei Lagerfeuer, Nudelsuppe aus geschnitzten Bambusbechern und vorgegrilltem Hühnchen ließ sich gut über bereits Erlebtes und Geplantes plaudern. Da am nächsten Morgen noch weit vor Sonnenaufgang die restliche Wegstrecke in Angriff genommen werden sollte, versprach es eine kurze Nacht zu werden. Für mich sehr kurz, wie sich bald herausstellte. Ich hatte nämlich keine Idee davon, wie geräuschvoll es nachts im Dschungel zugehen kann …Insektenzirpen, Flügelschläge, Eulenrufe und etwas Vierbeiniges, das mehr oder weniger geräuschvoll um mein Zelt herumschlich…und zwischendrin das dumpfe Grollen der nächsten Ibu-Eruption. 

Gänsehaut-Vulkanschauspiel 

Frühes Aufstehen war angesagt nach einer sowieso recht schlaflosen Nacht. Die letzten paar hundert Meter waren nicht besonders unwegsam, jedoch steil, und der sehr schmale Pfad im Dunkeln selbst mit Stirnlampe nicht so leicht auszumachen. Gerade am Kraterrand angekommen ging es auch schon los: ein lautes Rauschen signalisierte die nächste aufkommende Eruption, die sich im Dunkeln durch rote Lava am Vulkanrand zeigte. Ein lautes Brausen ist zu vernehmen. Der Vulkan ist aktiv – für eine Weile. Dann schläft er vermeintlich wieder ein und sämtlicher Rauch ist verflogen bis er nach ca. 20-30 min. sein Schauspiel von neuem beginnt. Besonders interessant ist dies während der kurzen Phase der Dämmerung, wenn man den Rauch gegen den heller werdenden Himmel wahrnimmt, aber es noch dunkel genug ist, dass sich die Lava davon gut abheben kann. Gewissermaßen auf dem ‚Dach der Welt‘ wird die Szenerie von zwei massiven Geräuschen bestimmt: eines ist die Eruption des Vulkanberges und das andere die rollenden Steinmassen des fließenden Lavastroms, der in die entgegensetzte Richtung zum eigenen Standort fließt und damit unsichtbar bleibt. Eine Kulisse, die Gänsehaut verschafft. 

Auch der Rückweg hielt seine Überraschungen bereit, denn erst beim Abstieg und unter Sonnenlicht nimmt man die wirklich atemberaubende Landschaft wahr. Von hoch oben hat man eine wundervolle Aussicht über die ausgedehnten Dschungelflächen, die scheinbar bis zur Küste reichen, bis hinaus auf die Molukkensee. Ein Ausblick, den ich gern mehr als nur einmal genießen möchte.